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Auf den Märkten, sei es bei Privatgesprächen oder zwischen Imkern, ist eine der häufigsten Bemerkungen, die ich gehört habe: „Alle Honige sind organisch!" oder: „Honig kann nicht organisch sein!". Falsch! Und doppelt falsch! Nach der Lektüre dieses Artikels werden Sie die Bemühungen der Bio-Imker beurteilen können, die innerhalb von verbindlichen Bestimmungen ihre Produkte erzeugen.

Ohne zwei verschiedene Visionen der Bienenzucht einander entgegenzusetzen, die wären: die eine industriell und intensiv, die andere handwerklich, mit Achtung der Natur gegenüber –sind in der Tat die meisten Imker leidenschaftliche Naturliebhaber, die unter Berücksichtigung der Lebenszyklen der Bienen heilsame Produkte herstellen, die unserer Gesundheit gut tun. Auf der anderen Seite hindert nichts daran, einen Betrieb von mehreren tausend Bienenstöcken in einen Bio-Betrieb umzuwandeln. Honig und Bienenprodukte sind aus dem biologischen Anbau hervorgegangen. Eine Landwirtschaft, die eine gewisse Ethik und eine gewisse Lebensvision hat und sich daran hält.

Eine Ethik, eine Vision des Lebens, eine Verpflichtung.

„Der ökologische Landbau ist ein landwirtschaftliches Produktionssystem, das auf der Achtung für das Leben und die natürlichen Zyklen basiert, die durch die Förderung des Agro-Ökosystems und auch die biologische Vielfalt, die biologischen Aktivitäten von Böden und biologischen Zyklen, die Produktion weltweit verwaltet. Um dieses Ziel zu erreichen, unterlassen Biobauern den Einsatz von Düngemitteln und synthetischen Pestiziden und gentechnisch veränderten Organismen (und schließen dies gesetzlich aus). " [1]

Der Bio-Imker identifiziert sich mit diesen allgemeinen Grundsätzen und führt alle Geschäftstätigkeiten der Organisation aus, indem er diesen allgemeinen Grundsätzen folgt. Eines der Grundprinzipien ist es sicherzustellen, dass die Bienen in der Lage sind, selbst die Ressourcen zu finden, die sie von ihrer Umwelt benötigen. Wenn diese Umgebung aus Wildpflanzen oder ökologischem Anbau besteht, ist alles gut. Der Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen in freier Natur ist ein ernstes Problem für den Bio-Imker. Befindet sich auch nur ein kleines Grundstück mit GVO in der Mitte eines Bio-Anbaus, ist er gezwungen, seine Bienenstöcke zu verlagern, um sein Etikett zu behalten. Das Problem ist noch schwerwiegender im Falle von mutagenen Sonnenblumen oder Raps, die nicht unter das GVO-Gesetz fallen. Sonnenblumen oder Raps, die genetisch mutiert sind, sind bereits auf sehr großen Flächen verbreitet, ohne dass über die Lage dieser Parzellen informiert wird. Die Bevölkerung betrachtet diese Pflanzen als GVO und will sie nicht auf ihrem Teller finden. Diese heute noch unbehandelten Probleme zeigen, wie schwierig die Bio-Imkerei in bestimmten landwirtschaftlichen Gebieten sein kann. Diese stellen ein Hindernis für die Freiheit des Unternehmens dar – ein Hindernis für die freie Wahl der Produktionsweise! Der Freiheit, die GVO zu erzeugen, kann der Imker die Freiheit entgegenstellen, Bio-Honig zu produzieren. Dazu müssen genaue Bedingungen erfüllt werden.

Mehrere Bedingungen

Es gibt verschiedene Bedingungen in Bezug auf den ökologischen Landbau in der Imkerei. AB, Natur & PROGES oder Demeter. Um legal das Bio-Zertifikat verwenden zu dürfen, muss man sich genau an die europäischen Bedingungen halten, die den rechtlichen Rahmen für die Zertifizierung setzt. Dabei sind die privaten Standards oft strenger als die europäischen Rahmen. Das AB-Logo oder das europäische Logo, dass für Produkte aus biologischem Anbau verwendet wird, ist nur für Betriebe erlaubt, die von verschiedenen Zertifizierungsstellen durch die COFRAC akkreditiert sind. Nichts hindert daran, einer privaten Marke anzugehören und gleichzeitig das Etikett aus ´kontrolliert biologischem Anbau´ zu haben (das heißt, von Ecocert & Co kontrolliert sein). Eigenmarken tendieren auf unangenehme Weise dazu, den europäischen Rahmen zu kritisieren, indem sie ihn als ‚zu lasch‘ beschuldigen. Um allerdings Bio-Produkte in allen EU-Ländern auf den Markt zu bringen, waren einheitliche Vorschriften notwendig. Und um glaubwürdig zu sein, muss eine Vorschrift von einer unabhängigen Stelle überwacht werden.

Wichtigste Elemente der europäischen Bedingungen

Die europäischen Bedingungen  der Bio-Imkerei sind bei verschiedenen Zertifizierungsstellen und auf der Website der Bio-Agentur erhältlich. Bezüglich der Bienenzucht sind einer Reihe von Regeln zu folgen. Die wichtigsten sind hier aufgeführt:
 

Nahrungssuche

Der Imker sollte auf einer IGN- Karte die Gesamtheit der Standorte lokalisieren, auf denen die Bienenstöcke im Laufe des Jahres verbleiben. Er muss sicherstellen, dass die Futterfläche der Bienen aus Wildpflanzen oder aus Getreide aus kontrolliert biologischem Anbau besteht. Jedoch kann es Ausnahmeregelungen geben, falls seine Bienenstöcke sich sowohl von Pflanzen aus kontrolliert biologischem Anbau und auch anderen konventionellen Pflanzen Nahrung holen. Dies ist häufig der Fall beim Lavendel. In diesem Fall nimmt die Zertifizierungsstelle eine Abnahme des Honigs, und eine Analyse (auf Kosten des Imkers) kann dann das Bio-Etikett, bei Abwesenheit jeglicher Spuren von Pflanzenschutzmitteln, gewährleisten. Die Pflege der Bienenstände wird durch mechanische Prozesse ohne chemische Herbizide durchgeführt (Round-Up ...).

Die Ernährung der Bienen

Das allgemeine Prinzip besteht darin, dass die Bienen in der Lage sein sollten, in ihrer Umgebung ausreichende Mittel zu finden, um sich selbst zu ernähren. Der Imker muss daher seine Standorte und Wanderstrecken so wählen, dass er dieses Grundprinzip immer im Auge hält. Allerdings kann der Imker seinen Bienen Nahrungsergänzungsmittel zuführen. Alle Produkte, die der Kolonie zugeführt werden, sollten aus kontrolliert biologischem Anbau sein. Im Normalfall Honig oder Pollen aus dem Anbau. Oder sonst Honig oder Pollen von einem Bio-Anbau. Mangelt es daran, ist es möglich, die Bienenstöcke mit Rohrzucker oder Sirup aus kontrolliert biologischem Anbau zu ernähren. Die Obergrenze von 7 kg Trockenmasse für 2 aufeinander folgende Jahre pro Bienenstock wurde durch die Harmonisierung der europäischen Richtlinien aufgehoben. Hinsichtlich des Preises für Bio-Zucker oder Bio-Sirup ist der gesunde Menschenverstand des Bauern eine natürliche Grenze.

Die Bienenrassen

Der Imker muss die Rasse seiner Bienen so wählen, dass sie dem örtlichen Ökotypen und dessen klimatischen Bedingungen besser angepasst sind (daher weniger Bedarf sie zu ernähren) und eine widerstandsfähigere Rasse (mit besserer Resistenz gegen Krankheiten) begünstigen.

Materialien

Die Bienenstöcke sind aus natürlichen Materialien hergestellt. Das Holz sollte nicht chemisch (beispielsweise mit Carbonyl oder Kreosoten) behandelt werden. Die Außenflächen der Bienenstöcke können mit nicht-toxischen Farben oder Lasuren bemalt werden und müssen einen natürlichen Bezug zur Umwelt und den Bienenprodukten haben. Falls die Bienenstöcke nass werden, muss die Behandlung mit Bienenwachs erfolgen. Mikrokristallines Wachs ist verboten, wurde kürzlich aber wieder zugelassen.

Wachse

Das Imprägnierwachs muss aus kontrolliert biologischem Anbau sein. Nach einer Umstellungszeit von einem Jahr kann der Imker die Wachsblendungen aus seinem Erwerb für den Ersatz von altem Wachs hernehmen. Die Erhöhungen sind gegen Nagetiere und andere Schädlinge durch physikalische (wie Wärme, Kälte, Licht, Durchzug) oder biologische Mittel (BT) ohne Verwendung von Chemikalien, geschützt.

Der Umstellungszeitraum

Die Umstellungszeit vom herkömmlichen Anbau auf Bio-Anbau beträgt in der Bienenzucht 1 Jahr. Während dieser Zeit muss der Betreiber die gegebenen Vorschriften für die Herstellung seiner Produkte befolgen und kann in dieser Zeit nicht davon profitieren, darauf hinzuweisen, dass sie aus biologischem Anbau kommen. Er ist nicht dazu verpflichtet, alle Wachse in seinen Bienenstöcken während der Umstellungszeit auszutauschen. Er wird sie im normalen Rhythmus austauschen (2 pro Jahr). Die alten Wachse werden für konventionelle oder industrielle Zwecke (Parfums, Kerzen, Bohnerwachs, Möbelpolitur) verkauft. Alle Wachse, die er dann verwendet, müssen bio-zertifiziert sein.

Krankheiten

Chemische Moleküle und Antibiotika sind in der Bio-Imkerei verboten. Eine gute Prophylaxe wird mit Feuer durchgeführt, um verseuchte Wachse zu vernichten oder zu desinfizieren. Im Falle von Faulbrut, werden die Kolonien auf saubere Wachse umgesetzt. Die Verwendung von natürlichen Mitteln (Pflanzenessenzen ...) ist erlaubt. Am besten ist es, die Zertifizierungsstelle zu fragen, bevor irgendein Produkt angewendet wird.

Kontrollverfahren gegen die Varroamilbe

Chemische Moleküle sind verboten. Eine Liste mit den für den ökologischen Anbau erlaubten Produkten, die derzeit zugelassen sind (Autorisation zur Marktanwendung), ist bei der Zertifizierungsstelle zu bekommen. Pflanzenessenzen, wie Thymol und Säuren (Ameisensäure, Oxalsäure ...), sind erlaubt. Wenn Sie Biobauer sind, kann ein Tierarzt ihnen für diese Produkte ein Rezept ausstellen. Die am weitesten verbreitete Praxis im Bioanbau besteht in der Behandlung mit Oxalsäure im Winter (ohne Brut). Bei Temperaturen zwischen 5° und 10° wird eine Oxalsäure-Lösung in lauwarmem Sirup über die Bienentraube zwischen die Rahmen getröpfelt. Für die Dosierungen lassen Sie sich von ihrem Tierarzt beraten. Im Sommer nach der Ernte zwei bis drei Anwendungen von Thymol im Abstand von 8 Tagen voneinander, bei Temperaturen zwischen 20° und 30°. Andere physikalische Methoden, die sich als wirksam erwiesen haben, sind auch möglich. Eine gute Überwachung der Kolonien mit einer regelmäßigen Bewertung des Ausmaßes des Befalls ist sehr wichtig. Falls der Anteil der Varroamilbe unter 5% liegt, ist der Befall nicht schlimm. Wenn sie 5% übersteigt, muss sie schnell behandelt werden (ohne den Stand). Unabhängig von der angewendeten Methode, ist es unerlässlich, eine wirksame Methode der Milbenbekämpfung anzuwenden oder man läuft Gefahr, innerhalb weniger Jahre alle Bienenstöcke zu verlieren.

Verpflichtung zur Qualität der Produkte

Alle Produkte derjenigen Bienenstöcke, die entweder an Vergiftung oder Verunreinigung durch Schadstoffe starben, sind nicht organisch. Für die Ernte ist die Verwendung von chemischen Repellentien verboten. Rauch sollte mit umweltfreundlichen Biokraftstoffen, durch physikalische Verfahren (Bürsten, Schütteln, Blasen, Bienenjagd) erzeugt und durchgeführt werden. Die Ernte durch Zerstörung der Kolonien ist verboten. Die Imkereigeräte müssen für den Lebensmittelkontakt geeignet sein (Edelstahl). Blankes Metall, verzinktes Eisen oder Gusseisen sind nicht erlaubt. Der Honig darf zu keinem Zeitpunkt über 40° erhitzt werden. Die automatische Verflüssigung bei weniger als 40° ist mit HMF Kontrolle (- 15 mg/kg für Honigtöpfe von maximal 10 mg/kg für losen oder gebrochenen Honig) erlaubt. Der Pollen muss bei einer Temperatur unter 40° getrocknet werden. Die empfohlene Lagerungstemperatur sollte zwischen 4° und 5° liegen. Für die Herstellung von Gelee-Royal, sollte die Grundierung der Zellen vor der Transplantation des Bio-Gelees erfolgen. Die Erntearbeiten müssen am selben Tag erfolgen, an dem die Stäbe aus den Stöcken entfernt werden. Die Larven sollten vor der Ernte durch physikalische Verfahren entfernt werden. Das Gelee-Royale muss zum Zeitpunkt der Ernte gefiltert und in Lebensmittelbehältern verpackt werden (vorzugshalber in Glas). Es muss unmittelbar kühl, zwischen + 2° und + 5°, konserviert werden.

Eine bessere Verwendung der Produkte

Produkte aus kontrolliert biologischem Anbau werden seitens der Öffentlichkeit mit großer Begeisterung aufgenommen. Imkereiprodukte sind da keine Ausnahme. Seitdem unsere GAEC (gemeinschaftlicher Landwirtschaftlicher Betrieb) von Ecocert bio-zertifiziert ist, wächst die Nachfrage ständig an und Anfragen von neuen Zwischenhändlern hören nicht auf. Die Leiter dieser Geschäfte suchen oft verzweifelt nach zertifizierten Bienenprodukten. So sehr, dass sie oft auf Importprodukte zurückgreifen, um die Nachfrage zu befriedigen. Im besten Fall sind die Produkte, die sie erhalten, aus Spanien, Italien oder Griechenland, aber sie kommen manchmal auch aus China oder von anderswo. Das Problem ist, dass die Kunden Bio- UND regionale Produkte essen wollen. Die Konsequenz dieser Knappheit hat eine bedeutsame Inflation zertifizierter Produkte zur Folge.

Demzufolge scheint es klar, dass der Markt der Bio-Imker sehr vielversprechend ist und sich rasant entwickelt. Je nach unserem landwirtschaftlichen Umfeld und unserer Tätigkeit ist es mehr oder weniger leicht, den Schritt zur Umstellung zu gehen. Die Einhaltung einer Ethik und das harmonische Zusammenleben mit den Bienen und der Umwelt gehen weit über die wirtschaftliche Attraktivität hinaus, einen Sektor zu verfolgen oder innerhalb gewisser Regeln zu arbeiten. Dies gibt dem Bio-Imker einen Stolz, der manchmal zu Unrecht von anderen Imkern als Eitelkeit wahrgenommen wird. Die Bienenzüchter sollten alle diese Spaltungen fallen lassen und zusammen an einem gemeinsamen Ziel arbeiten: die Erhaltung der Biene.

 

Olivier BELVAL.


[1] Wikipedia

Dieser Artikel wurde von dem Artikel inspiriert, den ich im Jahr 2010 schrieb und der in der Zeitschrift Abeilles et Fleurs # 714 und 715 veröffentlicht wurde.